Oberösterreich Beitrag

18. September 2026

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Nieren – Nachrichten live: Aktuelle Impulse für ein gesundes Nierenleben

Am 4. September 2026 fand im Kepler Universitätsklinikum Linz die bereits bewährte Veranstaltung „Nieren – Nachrichten live“ statt. Mehr als 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, sich von fünf Fachärzten über aktuelle Entwicklungen, Behandlungsmöglichkeiten und Vorsorge bei Nierenerkrankungen informieren zu lassen.

Obmann Rudolf Brettbacher

Nach der Begrüßung durch Obmann Rudolf Brettbacher hieß Univ.-Prof. Dr. Alexander R. Moschen, PhD, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin 2, die Gäste im Namen des Kepler Universitätsklinikums herzlich willkommen und wünschte eine erfolgreiche Veranstaltung.

Univ.-Prof. Dr. Alexander R. Moschen, PhD

Ernährung: individuell statt pauschal

Den Auftakt machte OÄ Dr. Marja Liisa Starkmann, Leiterin der Nephrologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried. Ihr Thema: „Ernährung bei chronischer Nierenerkrankung und Hämodialyse“. Praxisnah erläuterte sie, worauf es in den unterschiedlichen Stadien einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) ankommt.

OÄ Dr. Marja Liisa Starkmann

Dabei hat sich die Ernährungsempfehlung in den vergangenen Jahren verändert: Statt eines starren Korsetts steht heute stärker die individuelle Abstimmung im Mittelpunkt. Besondere Bedeutung haben Eiweiß, Kalium, Phosphat und die Trinkmenge. Eine überwiegend pflanzenbasierte Ernährung kann dabei Vorteile bieten. Fertigprodukte und stark verarbeitete Lebensmittel sollten möglichst vermieden werden. Wichtig ist zudem, ausreichend zu trinken und eine Austrocknung zu verhindern. Die konkrete Ernährung sollte immer gemeinsam mit dem behandelnden Ärzteteam abgestimmt werden.

Bewegung als Teil der Therapie

OA Dr. Manfred Wallner widmete sich dem Thema „Regelmäßiges Training bei chronischer Nierenkrankheit“. Seine Botschaft war eindeutig: Bewegung wirkt sich positiv auf den Krankheitsverlauf, die körperliche Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität aus.

OA Dr. Manfred Wallner

Empfohlen werden – angepasst an die individuelle Situation – etwa zwei Stunden Krafttraining pro Woche sowie 90 bis 150 Minuten Ausdauertraining. Auch während einer Dialyse kann leichtes Training möglich sein. Ebenso profitieren Menschen nach einer Nierentransplantation von regelmäßiger körperlicher Aktivität.

Forschung und neue Erkenntnisse

Prim. PD Dr. Daniel Cejka, Leiter der Nephrologie und Transplantationsmedizin am Ordensklinikum Elisabethinen Linz, informierte über die Herausforderungen der Gefäßverkalkung bei Nierenerkrankungen. Darüber hinaus gab er Einblicke in aktuelle Forschungsansätze zur Immunsuppression nach Nierentransplantation und zur IgA-Nephritis. An entsprechenden Forschungsaktivitäten sind auch das Kepler Universitätsklinikum und das Klinikum Wels-Grieskirchen beteiligt.

Prim. PD Dr. Daniel Cejka

Kontrastmittel: Mythos und Realität

OA Dr. Martin Windpessl, Bereichsleiter Nephrologie am Klinikum Wels-Grieskirchen, stellte die Frage: „Kontrastmittel und Niere – viel Lärm um wenig?“ Dabei beleuchtete er die historische Sorge vor einer Schädigung der Nieren durch Kontrastmittel.

Aktuelle Studien zeigen, dass viele der früheren Bedenken heute differenzierter betrachtet werden müssen. Ein vorübergehender Anstieg des Kreatininwertes kann auftreten und sollte sich bei fehlenden anderen Ursachen wieder dem Ausgangswert annähern. Eine Vermeidung notwendiger Untersuchungen und damit eine mögliche Unterdiagnostik bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion sei jedenfalls nicht zielführend.

OA Dr. Martin Windpessl

Rehabilitation mit nephrologischem Schwerpunkt

Den Abschluss bildete Prim. Dr. Alfred Markowitsch mit dem Pilotprojekt „Herz-/Kreislauf-Rehabilitation mit nephrologischem Schwerpunkt“ im Humanomed Zentrum Althofen. Das 2025 gestartete Projekt verfolgt das Ziel, chronisch nierenkranke Menschen umfassend zu betreuen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.

Prim. Dr. Alfred Markowitsch

Ein wichtiger Bestandteil ist die individuelle Erfassung von Beweglichkeit und körperlicher Leistungsfähigkeit. Die bisherigen Erfahrungen zeigen vielversprechende Ergebnisse. Ein wichtiger Hinweis für Betroffene: Der Reha-Antrag muss als Herz-Kreislauf-Rehabilitation mit nephrologischem Schwerpunkt gestellt werden.

Zum Abschluss bedankte sich Rudolf Brettbacher bei allen Referenten für die informativen und praxisnahen Beiträge sowie bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für das große Interesse und die rege Diskussion. Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, wie wichtig moderne Information, Prävention, Bewegung und eine individuell abgestimmte Behandlung für Menschen mit Nierenerkrankungen sind.

Bericht: Franz Wasserbauer