Tirol Beitrag

8. Juli 2026

Eine Möglichkeit, Thrombozytenkonzentrate zu gewinnen, ist, die blutplättchenreiche Schicht aus sechs blutgruppengleichen Vollblutspenden – der sogenannte Buffy Coat – zusammenzuführen, also zu „poolen“. @pixabay
Eine Möglichkeit, Thrombozytenkonzentrate zu gewinnen, ist, die blutplättchenreiche Schicht aus sechs blutgruppengleichen Vollblutspenden – der sogenannte Buffy Coat – zusammenzuführen, also zu „poolen“. @pixabay

Mehr aus jeder Blutspende: Tiroler Forschung steigert Ausbeute lebenswichtiger Blutprodukte

(PM), Ein am Zentralinstitut für Bluttransfusion der tirol kliniken entwickeltes Verfahren steigert die Ausbeute an lebenswichtigen Thrombozytenkonzentraten: Aus derselben Menge gespendeten Blutes entstehen mehr therapeutische Einheiten – bei gleichbleibender Qualität und ohne Mehraufwand. Für die zugrunde liegende wissenschaftliche Arbeit wurde Anita Siller im Mai 2026 bei der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Blutgruppenserologie, Transfusionsmedizin, Regenerative Medizin und Immungenetik (ÖGBT) in Wien mit dem Erwin-Domanig-Preis ausgezeichnet.

Thrombozyten – umgangssprachlich Blutplättchen – sorgen dafür, dass Blutungen zum Stillstand kommen. Menschen mit Leukämie, während einer Chemotherapie oder nach schweren Blutungen sind häufig auf Thrombozytenkonzentrate angewiesen. Im Bundesland Tirol werden pro Jahr ca. 5.500 Präparate benötigt.

Eine Möglichkeit, Thrombozytenkonzentrate zu gewinnen, ist, die blutplättchenreiche Schicht aus sechs blutgruppengleichen Vollblutspenden – der sogenannte Buffy Coat – zusammenzuführen, also zu „poolen“.

Jeder Mensch hat von Natur aus unterschiedlich viele Blutplättchen im Blut. Wurden die sechs Buffy Coats bisher zufällig kombiniert, schwankte auch die Ausbeute der fertigen Konzentrate entsprechend. Das Team der Blutbank entwickelte deshalb einen eigenen Computer-Algorithmus, der die gemessene Thrombozytenzahl nutzt und die Sechser-Gruppen gezielt so zusammenstellt, dass jeder Pool eine möglichst hohe und gleichmäßige Ausbeute erreicht. Das Programm gibt eine einfache Liste aus, nach der die Mitarbeiter:innen die passenden Spenden zusammenstellen. Um die Thrombozytenzahl bei jeder Spende zu erfassen, wird seit März 2025 im Rahmen der Blutspende für alle Spender:innen kostenlos ein kleines Blutbild erstellt und im Blutspendebefund zur Verfügung gestellt. Somit haben nicht nur die Blutbank, sondern auch die Spender:innen einen Mehrwert.

„Bisher haben wir die Zusammenstellung eines Pools im Grunde dem Zufall überlassen. Durch den von unserem IT-Spezialisten Manfred Astl implementierten Algorithmus können wir jetzt die Spenden gezielt kombinieren und holen so aus derselben Menge gespendeten Blutes mehr therapeutische Einheiten heraus“, erklärt Marco Amato, Herstellungsleiter an der Innsbrucker Blutbank. „Das heißt: Wir benötigen für dieselbe Menge an Thrombozytenkonzentraten weniger Spenden und gehen mit einer knappen, wertvollen Ressource deutlich sorgsamer um. Dies ist besonders relevant, da Thrombozytenkonzentrate nur sieben Tage haltbar sind.“

Der Effekt ist messbar: Der Anteil jener Pools, aus denen sich gleich zwei therapeutische Dosen gewinnen lassen, stieg von rund 72 auf knapp 90 Prozent. Weil aus derselben Zahl an Spenden mehr fertige Konzentrate entstehen, können mit derselben Menge an Blutspenden mehr Patient:innen versorgt werden. Diese Thematik gewinnt immer mehr an Bedeutung, da die Zahl der Blutspender:innen aus demografischen Gründen zurückgeht.

„Für die Patient:innen ist entscheidend, dass jedes Konzentrat verlässlich die benötigte Menge an Blutplättchen enthält. Unser Verfahren macht die Produkte gleichmäßiger und die Herstellung insgesamt besser planbar“, sagt Anita Siller, leitende Pharmazeutin der Blutbank der tirol kliniken. „In Kombination mit der Pathogeninaktivierung, die mögliche Krankheitserreger im Konzentrat unschädlich macht, erhalten wir sichere und hochwertige Präparate – und das ohne zusätzlichen Personal- und Materialaufwand.“

Die Arbeit mit dem Titel „Optimizing Buffy Coat Pooling: Enhancing Platelet Yield Through Platelet Count-Based Sorting“ erschien 2025 im internationalen Fachjournal „Transfusion Medicine Reviews“. Der Erwin-Domanig-Preis, den die ÖGBT alle zwei Jahre für hervorragende wissenschaftliche Arbeiten in der Transfusionsmedizin vergibt, ist die bedeutendste Auszeichnung des Fachs in Österreich. Nach eigenem Kenntnisstand ist die Innsbrucker Blutbank die erste und bislang einzige Einrichtung, die Thrombozytenkonzentrate routinemäßig auf Basis dieses selbst entwickelten Sortierverfahrens herstellt.

„Dass an den tirol kliniken Forschung auf diesem Niveau betrieben und dafür eine der angesehensten Auszeichnungen der österreichischen Transfusionsmedizin nach Tirol geholt wird, freut mich außerordentlich“, betont Cornelia Hagele, Landesrätin für Gesundheit, Pflege, Bildung, Wissenschaft und Forschung. „Eine sichere und zugleich effiziente Versorgung mit Blutprodukten ist für die Menschen in unserem Land von großer Bedeutung – diese Arbeit leistet dazu einen ganz konkreten Beitrag.“